Wenn man an flüssige Substanzen denkt, stellt man sich meist vor, dass sie schnell fließen, Tropfen formen und kaum Widerstand leisten. Doch es gibt Ausnahmen, die unsere Vorstellung von Zeit und Material infrage stellen – wie Pech. Und genau hier setzt das berühmte Pechtropfenexperiment an.
Was ist das Pechtropfenexperiment?
Das Pechtropfenexperiment ist ein klassisches Langzeitexperiment in der Physik, das eindrucksvoll demonstriert, dass manche Stoffe, die auf den ersten Blick fest wirken, in Wirklichkeit hochviskos und langsam fließend sind.
Die Hauptsubstanz: Pech, eine Art natürliches Harz, das bei Raumtemperatur extrem zähflüssig ist. Ein Tropfen Pech benötigt oft Jahre, um sich langsam von einem Trichter zu lösen und zu Boden zu fallen.
Geschichte des Experiments
Das bekannteste Pechtropfenexperiment wurde 1927 an der Universität Queensland in Australien gestartet. Professor Thomas Parnell wollte seinen Studenten zeigen, dass manche Materialien nicht strikt in „fest“ oder „flüssig“ eingeteilt werden können.
Er erhitzte Pech, goss es in einen Trichter und ließ es bei Raumtemperatur abkühlen. Dann wartete er – und wartete… Die ersten Tropfen fielen erst nach etwa 8 Jahren. Bis heute wird das Experiment regelmäßig dokumentiert: Nur alle 10 Jahre fällt im Durchschnitt ein Tropfen.
Was zeigt uns das Experiment?
- Die Zeit ist relativ – zumindest aus Sicht der Materie: Was für den Menschen ewig dauert, ist für Pech nur „normales Fließen“.
- Viskosität ist entscheidend – Pech zeigt extreme Zähflüssigkeit, weit mehr als Wasser oder Honig.
- Langzeit-Physik fasziniert – Geduld wird belohnt: Wer beobachtet, erkennt Veränderungen, die mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar sind.
Ein faszinierender Blick in die Zukunft
Das Pechtropfenexperiment läuft immer noch an der Universität Queensland und gilt als eines der ältesten kontinuierlich laufenden Experimente der Welt. Es zeigt, dass Wissenschaft manchmal nicht nur schnell, sondern auch geduldig sein muss.
Wer weiß: Vielleicht sehen die Menschen in 50 Jahren auf ein Video des heutigen Tropfens und staunen über die unglaubliche Geduld eines simplen Tropfens Pech.
Fazit
Das Pechtropfenexperiment ist mehr als nur eine Kuriosität: Es ist ein Symbol dafür, dass Geduld, Ausdauer und wissenschaftliche Neugier Hand in Hand gehen. Ein Tropfen Pech lehrt uns, dass manche Prozesse Zeit brauchen – und dass diese Zeit selbst Teil des faszinierenden Universums der Physik ist.








