In einem verlassenen Kloster oberhalb der Klippen lag eine Kammer,
deren Tür seit Generationen nicht mehr geöffnet worden war.
Kein Schloss hielt sie verschlossen,
nur ein Zeichen, in den Stein geritzt, das selbst Mönche mieden.
Einmal im Jahr, wenn das Meer ruhte
und der Wind schwieg,
drang aus der Kammer ein dumpfer Gesang.
Kein Lied, keine Sprache –
nur ein langsames Murmeln, als zähle jemand Namen.
Fischer berichteten, sie hätten darin die Stimmen jener erkannt,
die sie an die Pest verloren hatten.
Pilger sagten, sie hörten ihren eigenen Namen,
noch bevor sie ihn kannten.
Kerzen verlöschten vor der Tür,
Uhren blieben stehen,
und niemand, der den Raum betrat,
sprach je wieder über das, was er gesehen hatte.
Die Chroniken erwähnen die Kammer nur einmal
und nennen sie
„den Ort, an dem die Zeit betet.“
Im Mittelalter führten manche Klöster geheime Verzeichnisse der Verstorbenen –
nicht als Namen auf Papier, sondern als rituelle Abfolge von Gebeten,
gesprochen zu bestimmten Zeiten, um die Seelen zu bewahren.
Der „Totenkalender“ war kein Gegenstand,
sondern ein fortwährender Akt des Erinnerns.
Das Murmeln war das Echo dieser Gebete,
das die Namen der Toten bewahrte –
und manchmal auch jener,
die bald dazugehören würden.








