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Der Basilisk in der Schönlaterngasse

Der Basilisk in der Schönlaterngasse
Faktenlage – Wie gut ist das belegt?
Gut belegt Spekulativ
Spekulativ: Für diese Einordnung existieren keine eindeutigen Belege.

Mitten in der Wiener Innenstadt, verborgen zwischen schmalen Gassen und hohen Fassaden, liegt ein Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt. Doch gerade hier, wo Alltag und Geschichte dicht beieinanderliegen, entstand eine Sage, die sich über Jahrhunderte gehalten hat. Der Basilisk in der Schönlaterngasse gehört zu jenen Erzählungen, die weniger durch offene Dramatik wirken, sondern durch ihre Nähe zum städtischen Leben.

Die Geschichte verbindet mittelalterliche Vorstellungskraft mit realen Ängsten. Sie erzählt von Dunkelheit, von Unsicherheit und von dem Versuch, das Unbekannte zu begreifen. Und obwohl sie heute oft als Kuriosität betrachtet wird, verrät sie viel über die Zeit, in der sie entstand.

So beginnt die Sage nicht fernab der Zivilisation, sondern genau dort, wo Menschen lebten, arbeiteten und sich fürchteten.

Die Gasse und ihre Zeit

Die Schönlaterngasse zählt zu den ältesten Straßen Wiens. Schon im Mittelalter war sie dicht bebaut, eng und schlecht beleuchtet. Während tagsüber Handwerker und Händler das Bild bestimmten, verwandelte sich die Gasse nachts in einen Ort voller Schatten. Beleuchtung war spärlich, und Geräusche hallten zwischen den Mauern wider.

Faktencheck

📍 Die Sage spielt in der Schönlaterngasse in der Wiener Innenstadt.

🐍 Ein Basilisk soll dort in einem Brunnen gehaust haben.

🗓️ Die Überlieferung reicht mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurück.

📖 Ein Bäckerjunge soll das Ungeheuer mit einem Spiegel besiegt haben.

🔗 Weitere Sage: Wiegand der Bettelstudent

In dieser Zeit war der Alltag von Unsicherheit geprägt. Krankheiten breiteten sich aus, sauberes Wasser war nicht selbstverständlich, und Brunnen galten zugleich als lebenswichtig und gefährlich. Gerade sie waren Orte, an denen sich Vorstellungen von Bedrohung festsetzten. Denn was man nicht sehen konnte, ließ Raum für Angst.

Die Menschen erklärten sich Gefahren nicht mit Statistik oder Wissenschaft, sondern mit Bildern. Tiere, Dämonen und Mischwesen wurden zu Trägern von Risiken, die real vorhanden waren. Der Basilisk war eines dieser Wesen, bekannt aus antiken und mittelalterlichen Bestiarien.

So fand die Vorstellung eines tödlichen Wesens ihren Weg in die Schönlaterngasse. Nicht als bloße Fantasie, sondern als Erklärung für etwas, das man nicht kontrollieren konnte.

Das Wesen im Brunnen

Der Basilisk wurde als kleines, schlangenähnliches Geschöpf beschrieben, oft mit einem Hahnenkopf oder einer Krone. Sein Blick galt als tödlich, ebenso sein Atem. Niemand konnte ihm direkt gegenübertreten, ohne in Gefahr zu geraten. Genau diese Eigenschaften machten ihn zu einer idealen Projektionsfigur.

Der Sage nach lebte ein solcher Basilisk in einem Brunnen der Schönlaterngasse. Menschen, die sich ihm näherten, sollen krank geworden oder gestorben sein. Und obwohl keine Beweise existierten, verbreitete sich die Angst rasch. Denn der Brunnen war Teil des täglichen Lebens.

Die Vorstellung, dass etwas Unsichtbares und Gefährliches im Wasser lauerte, hatte eine klare Wirkung. Menschen mieden den Ort, oder sie näherten sich ihm nur mit Vorsicht. Gleichzeitig wuchs die Geschichte mit jeder Weitergabe. Details veränderten sich, doch der Kern blieb gleich.

Interessant ist, dass der Basilisk nicht als wanderndes Monster beschrieben wird. Er bleibt gebunden an einen Ort. Diese Ortsgebundenheit verstärkt die Wirkung der Sage, denn sie macht das Unheimliche konkret. Es ist nicht überall, sondern genau hier.

So wurde der Brunnen zu einem Symbol für eine Bedrohung, die nicht benannt werden konnte, aber dennoch präsent war.

Die Überlistung des Ungeheuers

Wie viele Sagen kennt auch diese eine Wendung. Der Basilisk wurde nicht durch rohe Gewalt besiegt, sondern durch List. Ein Bäckerlehrling, so erzählt man, soll sich der Gefahr gestellt haben. Doch er tat es nicht direkt.

Mit einem Spiegel bewaffnet näherte er sich dem Brunnen. Als der Basilisk seinen tödlichen Blick auf das Spiegelbild richtete, traf er sich selbst. Das Wesen verendete an seiner eigenen Macht. Und damit war die Bedrohung gebannt.

Diese Lösung ist bemerkenswert. Sie setzt nicht auf Stärke, sondern auf Erkenntnis. Der Spiegel steht für Selbsterkenntnis, aber auch für Distanz.

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Man blickt nicht direkt hin, sondern indirekt. So wird das Gefährliche handhabbar.

Die Sage endet nicht mit einem heroischen Kampf, sondern mit einer stillen Überwindung. Der Brunnen wird wieder nutzbar, und das Leben kehrt zurück. Dennoch bleibt die Erinnerung. Denn die Geschichte wird weitererzählt, auch wenn die Gefahr gebannt ist.

Gerade diese Struktur macht die Sage langlebig. Sie bietet nicht nur Angst, sondern auch Bewältigung.

Hauszeichen und Namensgebung im alten Wien

Im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wien besaßen die meisten Häuser keine festen Nummern, sondern trugen Namen und bildliche Zeichen. Während heutige Adressen auf Straßennamen und Hausnummern beruhen, orientierte man sich damals an Wirtshausschildern, gemalten Tafeln oder steinernen Reliefs. Deshalb dienten Hauszeichen nicht nur der Zierde, sondern vor allem der praktischen Identifikation.

Solche Bezeichnungen wie „Zum schwarzen Adler“, „Zum goldenen Lamm“ oder „Zum Küssenpfennig“ verbanden Bild und Erzählung. Einerseits erleichterten sie Analphabeten die Orientierung, andererseits prägten sie das Gedächtnis der Stadt. Ein auffälliges Motiv an der Fassade konnte über Generationen hinweg weitergegeben werden, während sich Eigentümer und Funktionen des Hauses änderten.

Oft entstand der Name aus einer Begebenheit, einer Legende oder dem Beruf des Besitzers. In manchen Fällen verwies er auf ein Wappentier, in anderen auf ein Wunder oder ein besonderes Ereignis. Dadurch verschmolzen Alltagsrealität und Erzähltradition, und zugleich wurde das Gebäude selbst zum Träger einer Geschichte.

Mit der Einführung moderner Hausnummern im 18. Jahrhundert verloren viele dieser Zeichen ihre praktische Bedeutung, doch sie blieben kulturelle Erinnerungsorte. Gerade in historischen Artikeln lohnt es sich daher, Hausnamen nicht nur als dekorative Details zu betrachten, sondern als Spiegel städtischer Identität und kollektiver Erinnerung.

Bekannte Hausnamen und ihre Lagen
Zum Lösch den Durst – Laimgrube
Zu den drei lüftigen Brüdern – Schottenfeld
Zum gewünschten Frieden – Alt-Lerchenfeld
Wo die Gans beschlagen wird – Himmelpfortgasse 3
Wo der Wolf den Gänsen predigt – Wallnergasse 17
Zum Basilisken – Schönlaterngasse 7
Zum großen Salzlöffel – Salzgries
Zum Hahnenbeiß – Am Hof
Wo der Hahn in den Spiegel schaut – Eisgrübl 4
Küß den Pfennig – Adlergasse 4
Wo die Kuh am Brett spielt – obere Bäckergasse 16
Der Heidenschuss – Heidenschuss/Am Hof

Deutung zwischen Mythos und Alltag

Aus heutiger Sicht lässt sich die Basilisken-Sage auf verschiedene Weise lesen. Historiker vermuten, dass der Brunnen möglicherweise mit giftigen Gasen belastet war. Faulgase können bewusstseinsverändernd wirken und sogar tödlich sein. Menschen, die dort verendeten, brauchten eine Erklärung.

Auch Krankheiten könnten eine Rolle gespielt haben. Verunreinigtes Wasser war ein reales Risiko. Die Sage übersetzt dieses Risiko in eine anschauliche Form. Der Basilisk steht damit für eine unsichtbare Gefahr, die aus dem Inneren der Stadt kommt.

Psychologisch betrachtet erfüllt die Geschichte eine wichtige Funktion. Sie macht Angst erzählbar und handhabbar. Indem das Unbekannte eine Gestalt erhält, kann man darüber sprechen. Und indem es besiegt wird, entsteht Hoffnung.

Gleichzeitig bleibt der Ort selbst Teil der Erzählung. Die Schönlaterngasse trägt die Sage weiter, auch wenn sich das Stadtbild verändert hat. Ein Relief erinnert heute an den Basilisken und hält die Geschichte sichtbar.

So lebt die Sage fort, nicht als Warnung im wörtlichen Sinn, sondern als kulturelles Gedächtnis. Sie zeigt, wie eng Stadtgeschichte und Erzählung verbunden sind.

Der Basilisk in der Schönlaterngasse ist deshalb mehr als ein Monster. Er ist Ausdruck einer Zeit, in der Menschen mit begrenztem Wissen große Gefahren bewältigen mussten. Und er erinnert daran, dass Geschichten entstehen, wenn Erklärung fehlt.

Auch heute, in einer aufgeklärten Stadt, bleibt diese Sage präsent. Sie fordert keinen Glauben, sondern Aufmerksamkeit. Denn sie zeigt, wie Menschen gelernt haben, mit dem Unheimlichen umzugehen.

So endet die Geschichte nicht im Mittelalter. Sie setzt sich fort, jedes Mal, wenn jemand die Gasse betritt und sich fragt, warum ein Basilisk hier verewigt ist.


Häufig gestellte Fragen – FAQ

Was ist die Sage vom Basilisken in der Schönlaterngasse?

Die Sage erzählt von einem Basilisken, einem drachenähnlichen Ungeheuer, das im Mittelalter in einem Brunnen in der Wiener Schönlaterngasse gehaust haben soll.

Wo liegt die Schönlaterngasse in Wien?

Die Schönlaterngasse befindet sich im ersten Wiener Gemeindebezirk nahe dem Fleischmarkt. Sie zählt zu den ältesten Straßen der Wiener Innenstadt.

Was ist ein Basilisk?

Ein Basilisk ist ein Fabelwesen aus der europäischen Mythologie. Ihm wird nachgesagt, dass sein Blick oder Atem tödlich sein kann.

Wie wurde der Basilisk laut der Legende besiegt?

Der Überlieferung nach stellte sich ein mutiger Bäckergeselle dem Ungeheuer mit einem Spiegel. Als der Basilisk sein eigenes Spiegelbild sah, soll er daran zugrunde gegangen sein.

Gibt es historische Beweise für den Basilisken?

Nein, es existieren keine historischen oder naturwissenschaftlichen Belege für die Existenz eines solchen Wesens. Die Geschichte gehört zur Wiener Sagenwelt.

Warum entstand die Sage vom Basilisken?

Mittelalterliche Brunnen galten oft als gefährliche Orte, in denen sich giftige Gase oder Krankheiten sammeln konnten. Solche Gefahren wurden häufig in Form von Monstern personifiziert.

Gibt es heute noch Spuren der Sage in Wien?

Ja, in der Schönlaterngasse erinnert eine Hausfigur an den Basilisken. Sie ist ein beliebtes Motiv für Stadtführungen und Touristen.

Warum fasziniert die Basilisken-Sage bis heute?

Die Mischung aus realem Ort, mittelalterlicher Atmosphäre und fantastischem Ungeheuer macht die Geschichte zu einer der bekanntesten Wiener Stadtsagen.


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