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Der Teufel und die Bognerin, eine Sage aus der Bognergasse

Der Teufel und die Bognerin Bognergasse
Faktenlage – Wie gut ist das belegt?
Gut belegt Spekulativ
Spekulativ: Für diese Einordnung existieren keine eindeutigen Belege.

Die Gasse der Bögen und der trügerische Frieden

In der Bognergasse, unweit des geschäftigen Herzens Wiens, lebten und arbeiteten zu Beginn des 16. Jahrhunderts jene Handwerker, deren Erzeugnisse zwischen Krieg und Jagd unentbehrlich waren. Dort, wo der Geruch von Holz, Leim und Hanfsehnen in der Luft lag, führte Kaspar Pergauer seine Werkstatt. Und während draußen Händler riefen, Glocken schlugen und Fuhrwerke über das Pflaster rumpelten, schien sein Leben von Ordnung getragen. Die Bögen waren gut gespannt, die Pfeile sauber gefiedert, und die Kundschaft kam regelmäßig, denn Pergauers Arbeit galt als zuverlässig.

Kaspar selbst war ein Mann von ruhigem Wesen, und obwohl er kräftig war, sprach er leise und überlegt. „Ein gutes Werkstück braucht Geduld“, pflegte er zu sagen, während er mit sicherer Hand Holz formte. Doch Geduld, die in der Werkstatt Tugend war, wurde in seinem Haus zur täglichen Prüfung. Denn seine Frau Ursula, einst für ihre Häuslichkeit gerühmt, hatte mit den Jahren eine Schärfe entwickelt, die weder Maß noch Schonung kannte. Und so lagen zwischen öffentlichem Ansehen und privatem Elend Welten, obwohl sie unter demselben Dach verborgen waren.

Eheliche Zwietracht und schwindende Hoffnung

Zu Beginn der Ehe hatte Kaspar vieles überhört, denn Liebe macht nachsichtig, und Hoffnung trübt den Blick. Doch mit jedem Jahr wurden Ursulas Worte härter, während sein Schweigen tiefer wurde. Schon im Morgengrauen begann ihr Reden, noch ehe der erste Hahn krähte. „Du hast wieder verschlafen“, rief sie, obwohl er längst wach war, und zugleich fügte sie hinzu: „Und langsam bist du auch.“ Solche Sätze begleiteten ihn wie Schatten, und selbst Lob war ihr fremd.

Faktencheck

📖 Die Sage stammt aus dem alten Wien.

📍 Schauplatz ist die Bognergasse in der Wiener Innenstadt.

😈 Der Teufel fordert die Bognerin heraus.

🔥 In ihrer Wut bricht sie ihm ein Horn ab, worauf er aufgibt.

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Freunde mieden das Haus in der Bognergasse, denn niemand hielt die ständigen Vorwürfe aus, und Gesellen kündigten ihren Dienst, weil sie keine Ruhe fanden.

Kaspar nahm all dies hin, denn er glaubte, Demut sei gottgefällig.

Doch während er schwieg, wuchs in ihm eine Müdigkeit, die tiefer ging als körperliche Erschöpfung.

„Warum prüft mich der Herr so hart“, fragte er eines Abends in die Stille, doch keine Antwort kam. Und obwohl er betete, blieb der Himmel verschlossen, während die Stimmen im Haus nicht verstummten.

Der Friedhof und der verbotene Gedanke

Eines Abends, als die Worte seiner Frau schärfer waren als je zuvor, verließ Kaspar das Haus, ohne Mantel und Ziel. Er ging durch enge Gassen, vorbei an dunklen Toren, und fand sich schließlich auf dem Petersfriedhof wieder. Der Mond stand bleich über den Gräbern, und der Wind strich durch kahle Zweige. Dort, zwischen Stein und Schatten, sank er erschöpft nieder. „Kein Mensch kann mir helfen“, flüsterte er, „und Gott schweigt.“ Und während diese Worte in der Nacht verhallten, fügte er hinzu: „Da möchte man den Teufel selbst um Hilfe bitten.“

Kaum hatte er diesen Gedanken ausgesprochen, da erklang ein Lachen, rau und fremd. Aus dem Schatten trat eine Gestalt, dunkel und hoch gewachsen. „Du hast mich gerufen“, sagte sie, und ihre Stimme klang wie Metall auf Stein. Kaspar wich zurück, doch er fand keinen Halt. „Was willst du?“, fragte der Fremde. Mit bebender Stimme antwortete der Bogner: „Frieden in meinem Haus.“ Daraufhin bot der Teufel einen Handel an, klar und ohne Zierde. Drei Tage wolle er versuchen, Ursula zu ändern, und gelinge es, gehöre Kaspars Seele ihm. Scheitere er, so sei der Pakt nichtig.

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Drei Tage der vergeblichen Zähmung

Am nächsten Morgen erschien der Teufel in Kaspars Gestalt im Haus. Zunächst setzte er auf Milde, denn selbst er wusste um die Kraft freundlicher Worte. Er trat an Ursulas Bett und sprach sanft, doch sie fuhr hoch und schalt ihn. „Schon früh störst du meinen Schlaf“, rief sie, und ihre Stimme hallte durch die Stube. Während der Tag verging, prasselten Vorwürfe auf ihn nieder, und obwohl er schwieg, steigerte sich ihr Zorn. Am Abend zählte der Teufel Beulen statt Erfolge.

Am zweiten Tag versuchte er Vernunft. Er sprach von Respekt, von gegenseitiger Achtung, und eine Weile hörte Ursula zu. Doch zur Mittagszeit änderte sich ihr Gesichtsausdruck, und sie schrie: „Willst du mich belehren?“ In diesem Moment goss sie ihm einen Topf heißer Suppe über den Kopf. Fluchend floh er zur Tür, während sie ihm Schimpfworte nachwarf. Dennoch kehrte er zurück, denn der Vertrag ließ ihm keine Wahl.

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Am dritten Tag erschien er nicht mehr als sanfter Gatte. Er offenbarte seine wahre Gestalt, Hörner und Schwefelgeruch erfüllten die Stube.

„Ändere dich“, befahl er, „oder du wirst es bereuen.“ Ursula jedoch lachte kurz, sprang vor und packte ihn bei den Hörnern.

Mit roher Kraft riss sie daran, bis eines brach. Der Teufel schrie auf, floh unter Rauch und Gestank und rief im Davonfahren: „Mit dir will ich nichts mehr zu schaffen haben.“

Nachklang zwischen Himmel und Erde

So hatte Kaspar Pergauer zwar den teuflischen Handel für sich entschieden und seine unsterbliche Seele bewahrt, doch der Preis dafür war hoch. Denn mit dem Scheitern des Bösen war ihm zugleich jede Hoffnung auf irdische Ruhe genommen. Wenn selbst der Teufel vor der Bognerin kapitulierte, wie hätte dann ein gewöhnlicher Mensch, zumal ein stiller und geduldiger Mann wie Kaspar, ihr Wesen zu wandeln vermocht? Und so verbrachte er viele Jahre seines Lebens an der Seite einer Frau, deren Zorn und Unnachgiebigkeit schlimmer waren als jede teuflische List, büßte seine Schuld bereits auf Erden und durfte, so glaubte man, nach seinem Tod ohne Umwege in das Himmelreich eingehen.

Über das weitere Schicksal der Bognerin hingegen verliert die Überlieferung ihre Gewissheit. Der Himmel blieb ihr versagt, denn zu schwer wog das Leid, das sie ihrem Mann zu Lebzeiten bereitet hatte. Doch auch die Hölle verschloss ihr die Tore, da der Teufel, durch die erlittene Niederlage gewarnt, nichts mehr mit ihr zu schaffen haben wollte. So erzählt man sich, dass sie weder hier noch dort Aufnahme fand und bis heute in wechselnder Gestalt auf Erden umhergehe, und manch einer will ihr bereits begegnet sein, ohne es zunächst zu ahnen.

Zum bleibenden Gedächtnis an jene außergewöhnliche Auseinandersetzung ließ man an der einstigen Wohn- und Leidensstätte Kaspar Pergauers in der Bognergasse Nummer drei später ein Bild anbringen, das den Streit zwischen der Bognerin und dem Teufel zeigt. Darunter wurden Verse gesetzt, die bis in unsere Zeit überliefert sind und deren Mahnung nichts von ihrer Schärfe verloren hat:

Pestilenz und Not ein Übel ist,
Krieg ein arger Zeitvertreib.
Doch schlimmer als Teufels Tück’ und List
Ist, Gott behüt uns, ein böses Weib.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Worum geht es in der Sage vom Teufel und der Bognerin?

Die Sage erzählt von einer mutigen oder klugen Frau aus der Wiener Bognergasse, die dem Teufel begegnet und sich ihm mit List oder Entschlossenheit widersetzt. Die Geschichte verbindet Humor, Moral und das Übernatürliche.

Wo liegt die Bognergasse in Wien?

Die Bognergasse befindet sich im ersten Wiener Gemeindebezirk, der Inneren Stadt. Sie gehört zu den historischen Gassen Wiens mit zahlreichen alten Legenden.

Welche Rolle spielt der Teufel in der Sage?

Der Teufel erscheint als Versucher oder Bedrohung, die die Bognerin herausfordert. In vielen Versionen wird er jedoch überlistet oder verliert am Ende die Auseinandersetzung.

Ist die Sage historisch belegt?

Konkrete historische Dokumente fehlen, wie bei vielen Wiener Sagen. Die Geschichte wurde vermutlich mündlich überliefert und im Laufe der Zeit ausgeschmückt.

Welche moralische Botschaft enthält die Erzählung?

Die Sage betont oft, dass Mut, Klugheit und Standhaftigkeit stärker sind als dunkle Mächte. Sie zeigt, dass selbst einfache Menschen dem Bösen trotzen können.

Warum spielt die Geschichte in einer Wiener Gasse?

Wiener Sagen sind häufig eng mit realen Orten verbunden. Dadurch erhalten Straßen und Plätze eine zusätzliche, geheimnisvolle Bedeutung.

Gibt es ähnliche Teufelssagen in Wien?

Ja, Wien ist reich an Geschichten, in denen der Teufel als Figur auftritt. Diese Erzählungen spiegeln mittelalterliche Glaubensvorstellungen und moralische Lehren wider.

Warum fasziniert die Sage vom Teufel und der Bognerin bis heute?

Die Mischung aus Alltagswelt, übernatürlicher Bedrohung und überraschender Wendung macht die Geschichte zeitlos. Sie verbindet Humor mit einer unterschwelligen moralischen Botschaft.


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